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Unsere Kreismeister in der MAZ

Freitag, 31. Juli 2020 Zossener Rundschau

Frisch gekürt zur Kreismeisterin

Selbsthilfe kann vielfältig sein – Katharina Claus und Nicole Ulbricht sind die Gesichter einer landesweiten Kampagne, die helfen will, Vorurteile abzubauen

Von Udo Böhlefeld

Ludwigsfelde/Rangsdorf. Katharina Claus (57) aus Rangsdorf ist „Kreismeisterin“. Nicht im Fußball oder sonst einer Sportart, sondern Claus ist Kreismeisterin im Rahmen der seit 2019 laufenden landesweiten Kampagne, die Vorurteile abbauen und den Zugang zur Selbsthilfe erleichtern will.

Die „Kreismeister“- Kampagne will anhand der persönlichen Erfahrungen der ausgewählten Kreismeister zeigen, wie vielfältig Selbsthilfe sein kann. Dabei sollen möglichst viele Menschen im Rahmen der Kampagne ihre jeweilige Geschichte erzählen.

Katharina Claus und Nicole Ulbrich, beide im Rahmen der Ludwigsfelder Kontakt- und Informationsstätte für Selbsthilfe (Lukiss) aktiv, berichten nun auf der Internetseite der Kreismeister-Kampagne über ihre Erfahrungen.

Nicole Ulbrich (35) aus Ludwigsfelde, Heilerziehungspflegerin und Mutter eines Sohnes, stand mitten im Leben, als sie im Alter von 30 Jahren ein Schlaganfall traf. „Damals bekam ich plötzlich extrem starke Kopfschmerzen. Niemand nahm die Anzeichen ernst. Dann wurde eines Nachts, am 9. August 2015, meine linke Körperseite taub und meine Sprache ging verloren. Mein Leben stand Kopf! Ein angeborenes Hirnaneurysma, also ein Blutgefäß in meinem Kopf, war geplatzt“, berichtet die Ludwigsfelderin.

 

Über ihr „wahres Ich“ berichtet Katharina Claus aus Rangsdorf: „50 Jahre lang litt ich unter schwersten Depressionen. Bereits mit vier oder fünf Jahren fühlte ich mich mehr als Mädchen. Ich spielte gerne mit Puppen, und wenn Rollenspiele gespielt wurden, wollte ich immer unbedingt den weiblichen Part – zum Beispiel den der Mutter – übernehmen.

Mit ungefähr zehn Jahren hatte ich dann damit angefangen, heimlich regelmäßig Frauensachen anzuprobieren. Ich hatte niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte, aber mir war klar: Ich lebe im falschen Körper.“

Im Erwachsenenalter führt Katharina Claus ein Doppelleben. „Noch vor der Wende“, so erzählt sie, „habe ich einmal eine psychologische Beratung aufgesucht. Und wissen Sie, was der mir geantwortet hat? ‚Erzählen Sie das niemandem. Und kommen Sie nicht wieder zu mir, sonst muss ich Sie nämlich melden’, hat er gesagt.“ Diese Erinnerung treibt Katharina Claus noch heute Tränen in die Augen. Obwohl sie inzwischen aus ihrem alten Leben ausgebrochen ist. „So wollte ich nicht mehr weiterleben. Dann wurde ich im Sommer 2017 an einem schönen, sonnigen Tag, morgens wach, und mir war klar, dass ich endlich authentisch und vollkommen selbstbestimmt mein wahres Ich als Frau leben wollte!“

 

Inzwischen lebt Katharina als Frau. Bis hin zu den letzten, geschlechtsangleichenden Operationen hat sie alles für die Verwirklichung dieses Wunsches getan. Und sie fühlt sich überall gut angenommen. Als Behindertenbeauftragte wirkt sie für die Gemeinde Rangsdorf und erlebt ihr Arbeitsumfeld dabei als sehr unterstützend.

Beide Kreismeister betonen, dass die Selbsthilfekontaktstätte Lukiss im Waldhaus eine zentrale Rolle bei ihrem Weg zum „Kreismeister“ gespielt hat. „Hier habe ich die Möglichkeit erhalten, mich mit Gleichgesinnten zu treffen und ich bekomme sehr viel Unterstützung“, formuliert es Nicole Ulbrich.

 

Foto: Katharina Claus (Foto Udo Böhlefeld)